Sechs Portale, drei Logins, jeden Morgen dieselben Filter, und am Ende zwei Aufträge, die es wirklich gab. So sieht die Auftragssuche für viele Webdesigner aus. Dabei ist das Problem selten, dass es keine Aufträge gibt, sondern dass sie über zu viele Orte verteilt sind und jedes Portal nach eigenen Regeln spielt: Abo hier, Provision dort, Bezahlung pro Anfrage beim Dritten, Formalia bei der öffentlichen Hand.
Dieser Vergleich sortiert die Portale nach Art und Preismodell, alle Preise am 9. September 2026 direkt bei den Anbietern geprüft. Dazu kommt, was kein Portal über sich selbst verrät: die Auswertung von 1.544 Webdesign-Anzeigen, die der Projekt-Radar seit Juni über 175 Portale eingesammelt hat.
Fünf Arten von Portalen, fünf Spielregeln
Projektbörsen wie freelancermap oder freelance.de listen Ausschreibungen von Unternehmen und Vermittlern. Du zahlst ein Abo für mehr Bewerbungen, das Honorar bleibt komplett bei dir. Marktplätze wie Malt, Junico, Upwork oder Fiverr wickeln Zahlung und Vertrag ab und nehmen dafür eine Provision, je nach Plattform zwischen 0 und 20 Prozent. Agentur-Matching-Portale wie Sortlist oder agenturtipp vermitteln Anfragen von Auftraggebern und lassen sich pro Anfrage oder per Abo bezahlen. Jobbörsen wie Indeed, Stepstone oder LinkedIn sind Stellenmärkte, in denen Freelance-Anzeigen mitschwimmen. Und die öffentliche Vergabe stellt Website-Projekte von Kommunen, Hochschulen und Behörden auf Portale wie service.bund.de, für Bieter kostenlos, dafür mit Formularen.
Die Portale im Vergleich
Alle Angaben netto, Stand 9. September 2026, direkt von den Preisseiten der Anbieter. Wo ein Anbieter seine Konditionen nicht öffentlich macht, steht das dabei.
| Portal | Art | Was es dich kostet | Was dort steht |
|---|---|---|---|
| freelancermap | Projektbörse DACH | Basis kostenlos (10 Bewerbungen/Monat), Premium 13,99 €/Monat, keine Provision | über 14.500 offene Projekte, davon 7.246 Entwicklung, 308 Design; über 2.000 neue pro Woche |
| freelance.de | Projektbörse DACH | Basic kostenlos (2 Bewerbungen/Tag), Starter 8 €, Expert 19 €, Expert+ 33 €/Monat, keine Provision | über 400 neue Projekte täglich; IT 1.300 bis 1.850 pro Monat, andere Kategorien 300 bis 500 |
| Randstad Professional (ehemals GULP) | Projektbörse und Vermittlung | kostenlos für Freelancer, Marge nicht ausgewiesen | IT, Engineering, Life Science; Webdesign kaum |
| Hays | Vermittlung (Contracting) | Konditionen nicht öffentlich | Großkunden, laut Lünendonk 2024 Marktführer der Freelancer-Vermittler |
| Malt | Marktplatz | 0 % für Freelancer in Deutschland, Kunden zahlen 10 bis 15 % Servicegebühr | Direktsuche durch Kunden, kein offenes Projekt-Board |
| Junico | Marktplatz DACH | Community Fee 10 bis 15 % nur bei gewonnenem Auftrag | Design, Marketing, Content, Tech; über 11.000 vermittelte Projekte |
| dasauge | Kreativ-Jobbörse | Profil und Bewerbung kostenlos, keine Provision | Design, Grafik, Text, Motion, IT; viele Festanstellungen |
| DESIGNERDOCK | Vermittlung Kreativ | 10 % Provision auf Freelance-Honorare, Festanstellung kostenlos | über 3.000 Agenturen und Unternehmen, Büros in sechs Städten |
| Sortlist | Agentur-Matching | Profil kostenlos, bezahlte Pläne mit Credits, Preise nicht öffentlich | internationale Anfragen, Pay-per-Lead-Logik |
| agenturtipp.de | Agentur-Matching und Ausschreibungsdatenbank | ab 39 €/Monat, Leads per Auktion ab 30 € | 49 Ausschreibungen Webdesign und Webentwicklung im September 2026 |
| Upwork | Marktplatz global | variable Service Fee 0 bis 15 % pro Vertrag (seit Mai 2025), Bewerbungen kosten Connects | weltweit, englisch, hohe Konkurrenz |
| Fiverr | Marktplatz global | 20 % auf jeden Auftrag | Paketpreise, kleine Aufträge |
| 99designs | Design-Marktplatz | 5 bis 15 % je nach Level, Contests | Logo, Web, Print |
| Freelancer.com | Marktplatz global | 10 % oder mindestens 5 USD, Abos ab 4,99 USD | weltweit, Preisdruck |
| Toptal | Vermittlung global | Screening, Gebühr für Freelancer nicht ausgewiesen | Entwicklung, Design, Großkunden |
| service.bund.de | Öffentliche Vergabe | kostenlos | 12.811 Ausschreibungen, Umkreissuche, RSS |
| DTVP | Öffentliche Vergabe | Basic kostenlos, Professional 49 €/Monat | Suchprofile, E-Mail-Service, Teilnahme |
| vergabe24 | Öffentliche Vergabe | Schnupperabo 0 €, Bundesländer-Tarif ab 20,25 €/Monat | 51.939 aktuelle Ausschreibungen |
| simap.ch | Öffentliche Vergabe Schweiz | kostenlos | Bund, Kantone, Gemeinden |
| ANKÖ | Öffentliche Vergabe Österreich | 450 €/Jahr | über 450.000 Ausschreibungen in zwölf Monaten |
Was der Projekt-Radar seit Juni gefunden hat
Kein Portal sagt dir, wie viele der Anzeigen wirklich Freelance-Aufträge sind, wo sie stehen und ob ein Budget dabei ist. Der Projekt-Radar von findflix liest über Google Jobs 175 Portale und Firmenseiten und hat seit dem 20. Juni 2026 1.544 Anzeigen für Webdesign, UI/UX, Webentwicklung und verwandte Positionen von 832 verschiedenen Firmen gesammelt. Die Auswertung, Stand 9. September 2026:
- 27 Prozent Freelance: 416 Anzeigen sind ausdrücklich als Freelance-Auftrag oder Projekt ausgeschrieben, 858 als Festanstellung, 270 ohne Angabe. Wer fest sucht, hat trotzdem oft Projektbedarf, deshalb lohnt sich der Blick auf beide.
- Die Quelle entscheidet über den Anteil: Bei der Freelancer-Börse FREEKNIGHT sind 66 von 68 Anzeigen Freelance, bei Indeed 5 von 87, bei Stepstone 5 von 49. Jobbörsen sind Stellenmärkte, Freelance kommt von Freelance-Portalen und Firmenseiten.
- 47 Prozent mit Zahl: 718 Anzeigen nennen ein Budget oder Gehalt. Der Rest verhandelt.
- Ortlos ist normal: 225 Anzeigen stehen unter „Beliebiger Ort“, weitere 312 nur unter „Deutschland“. Unter den Städten führt München mit 120 Anzeigen vor Berlin (48), Stuttgart (29), Hamburg (23) und Frankfurt (21).
- Was gesucht wird: Die häufigsten Titel sind „Webdesigner (m/w/d)“, „Webdesigner für WordPress-Projekte“ und „WordPress Developer“. CMS-Kenntnisse schlagen Design-Titel.
Für die Suche heißt das: Eine Börse allein zeigt dir einen Ausschnitt. Wer Freelance will, braucht die Freelance-Portale und die Firmenseiten, wer auch Anstellung oder Teilzeit nimmt, dazu die Jobbörsen. Und wer nicht jeden Morgen sechs Tabs öffnen will, lässt sich die Sammlung bringen, dazu unten mehr.
Öffentliche Ausschreibungen: unterschätzt, aber machbar
Website-Projekte von Kommunen, Hochschulen, Verbänden und Kliniken laufen über die öffentliche Vergabe. Der passende CPV-Code heißt 72413000-8 „Website-Gestaltung“; die Datenbank ausschreibungen-deutschland.de zählt seit 2015 275 Bekanntmachungen mit diesem Code, im Sommer 2026 etwa von Stadtwerken, dem Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit, Kliniken, Hochschulen und Verbraucherzentralen. Typisch sind Relaunches und Rahmenverträge zur Websitebetreuung, meist mit Anforderungen an Barrierefreiheit (BITV), ein bestimmtes CMS und vergleichbare Referenzen.
Seit 2026 ist der Einstieg leichter geworden. Die EU-Schwellenwerte liegen für Liefer- und Dienstleistungen bei 216.000 Euro (oberste Bundesbehörden 140.000 Euro), erst darüber wird europaweit ausgeschrieben. Darunter gelten nationale Grenzen, und die sind gestiegen: Der Bund darf seit dem 1. Juli 2026 Aufträge bis 50.000 Euro netto direkt vergeben, Bayern erlaubt Direktaufträge bis 250.000 Euro, mehrere Länder bis 100.000 Euro, Nordrhein-Westfalen 50.000 Euro für Landesbehörden. Das Vergabebeschleunigungsgesetz lässt außerdem zunächst Eigenerklärungen genügen, Nachweise liefern nur noch aussichtsreiche Bieter.
- Kostenlos anfangen: service.bund.de mit Umkreissuche und RSS, DTVP Basic mit Suchprofil und E-Mail-Service, das Schnupperabo von vergabe24. Für die Schweiz simap.ch, für Österreich ANKÖ.
- Direktaufträge aktiv holen: Aufträge unter der Wertgrenze werden nicht ausgeschrieben. Vergabestellen in deiner Region kennenlernen, ein Standardangebot mit Preisliste vorhalten, nach Bestandsseiten mit sichtbaren Mängeln fragen.
- Referenzen passend wählen: Die Vergabekammer des Bundes verlangt Referenzen, die im Umfang vergleichbar sind; Erfahrung allein reicht nicht (Beschluss vom 5. Februar 2025). Fehlt eine, hilft eine Bietergemeinschaft.
- Formalia ernst nehmen: Fehlende Nachweise oder ein falsches Format führen zum Ausschluss. Bieterfragen nutzen, Bewertungskriterien lesen, Fristen doppelt prüfen.
So gewinnst du Ausschreibungen: fünf Regeln mit Beleg
1. Schnell antworten. Im Freelancer-Kompass 2026 kommen im Schnitt elf Bewerbungen auf ein Projekt, und viele Titel tragen „ASAP“ oder „sofort“. Bei Malt hängt die Sichtbarkeit deines Profils direkt an der Reaktionszeit, ein unbeantworteter Projektvorschlag entfernt dich aus der Direktsuche. Für Upwork berichten Drittanbieter, dass Bewerbungen in den ersten Minuten vielfach häufiger beantwortet werden; die Methodik ist dort nicht offengelegt, die Richtung deckt sich aber mit allem, was Vermittler sagen.
2. Preis nennen, realistisch kalkulieren. 70 Prozent der Freelancer lehnen Projekte wegen eines zu niedrigen Stundensatzes ab. Der Durchschnitt liegt 2026 bei 103 Euro pro Stunde, in Software- und Webentwicklung bei 91 Euro, in Design und Medien bei 89 Euro (Kompass 2026); die freelance.de-Studie 2026 kommt auf 101,70 Euro. Wer seinen Satz kennt und nennt, spart sich Gespräche, die im Preis scheitern. Wie du ihn herleitest, steht im Stundensatz-Guide.
3. Profil aktuell und stringent. Personaler schauen im Schnitt 43 Sekunden auf ein Freelancer-Profil. Die häufigsten No-Gos aus Unternehmenssicht: fehlende Aktualität (27 Prozent), Lücken (18 Prozent), sprachliche Schwächen (16 Prozent). Know-how wird am liebsten über die Projekthistorie gelesen.
4. Nur passende Projekte. 62 Prozent der Freelancer lehnen Projekte ab, weil sie nicht zu den Fähigkeiten passen, 49 Prozent wegen fehlendem Remote-Anteil. Dieselben Filter gelten für dich: lieber drei Bewerbungen, die sitzen, als zwölf aus der Masse.
5. Anschreiben kurz, Projektliste konkret. Firma, Branche, Zeitraum, Rolle, Aufgaben, dazu eine Referenz und Arbeitsproben. Das ist das Muster, das Vermittler seit Jahren empfehlen, und es ist auch das, was ein Auftraggeber in 43 Sekunden erfassen kann.
Manuell oder automatisiert: der Wochenplan
Von Hand sieht eine saubere Routine so aus: Montag die Projektbörsen mit gespeicherten Suchen, Mittwoch die Jobbörsen mit dem Filter „Freelance“, Freitag die Vergabeportale und die Firmenseiten deiner Wunschkunden. Das kostet zwei bis drei Stunden pro Woche und liefert nur, was du gerade siehst.
Der Projekt-Radar macht die Runde für dich: Du wählst Positionen wie Webdesigner, Webflow Designer, WordPress-Entwickler oder UI/UX Designer, das Land oder ein Bundesland und den Wochentag deiner Mail. findflix liest die 175 Portale über Google Jobs, sortiert Dubletten, Praktika und Personaldienstleister aus, hält Freelance und Festanstellung auseinander und schickt dir die neuen Funde einmal pro Woche mit den ersten drei als Vorschau. Mit „Suche jetzt testen“ siehst du vor dem Einrichten die aktuellen Treffer zu deiner Auswahl.
Die Aufträge kommen dann zu dir. Was du daraus machst, entscheidet sich am Telefon und im Angebot, und dafür gibt es den Leitfaden zur Kundengewinnung. Wer lieber Betriebe anspricht, die noch gar nicht ausschreiben, findet sie über Webdesign Leads mit veralteter Website.
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Kostenlos startenHäufige Fragen
Wo finde ich Webdesign-Aufträge kostenlos?
Auf den Basis-Stufen von freelancermap (10 Bewerbungen pro Monat) und freelance.de (2 pro Tag), bei dasauge, auf den Vergabeportalen service.bund.de, DTVP Basic, simap.ch und über das Schnupperabo von vergabe24. Marktplätze wie Malt kosten dich als Freelancer in Deutschland keine Provision, Upwork, Fiverr oder Junico dagegen 10 bis 20 Prozent.
Welche Börse hat die meisten Webdesign-Projekte?
freelancermap listet über 14.500 offene Projekte, davon aber nur 308 unter Design; der Rest ist Entwicklung und Consulting. Reine Webdesign-Ausschreibungen verteilen sich auf viele Quellen, deshalb hat der Projekt-Radar in gut elf Wochen 1.544 Anzeigen aus 175 Portalen gesammelt. Eine einzelne Börse zeigt immer nur einen Ausschnitt.
Lohnen sich öffentliche Ausschreibungen für kleine Agenturen?
Ja, seit 2026 mehr als vorher. Der Bund darf bis 50.000 Euro direkt beauftragen, Bayern bis 250.000 Euro, und Eigenerklärungen reichen zunächst. Die Portale sind kostenlos, der Aufwand liegt in Referenzen und Formalia. Direktaufträge unter der Wertgrenze werden nicht ausgeschrieben, die holst du über die Ansprache der Vergabestellen.
Was kostet eine Auftragsbörse?
Projektbörsen arbeiten mit Abos zwischen 8 und 34 Euro pro Monat ohne Provision. Marktplätze nehmen 5 bis 20 Prozent des Honorars, Malt in Deutschland 0 Prozent. Agentur-Matching-Portale verlangen Abos ab 39 Euro pro Monat oder Gebühren pro Anfrage. Vergabeportale sind für Bieter kostenlos oder kosten 20 bis 50 Euro pro Monat für Komfortfunktionen.
Wie schnell muss ich mich auf eine Ausschreibung bewerben?
So schnell wie möglich. Im Schnitt bewerben sich elf Freelancer auf ein Projekt, viele Ausschreibungen tragen „sofort" im Titel, und bei Malt hängt die Sichtbarkeit an der Reaktionszeit. Eine Bewerbung am selben Tag mit Preis, Verfügbarkeit und zwei passenden Referenzen schlägt eine ausführliche Bewerbung nach drei Tagen.
Was ist der Unterschied zwischen einer Auftragsbörse und dem Projekt-Radar?
Eine Börse zeigt dir ihre eigenen Aufträge, wenn du sie besuchst. Der Projekt-Radar liest 175 Portale über Google Jobs und schickt dir einmal pro Woche nur die neuen Anzeigen zu deinen Positionen, sortiert nach Freelance und Festanstellung. Bewerben musst du dich weiterhin auf dem jeweiligen Portal, der Radar verlinkt die Anzeige.