Ein 40-seitiges Audit-PDF hat noch nie eine Website schneller, sichtbarer oder besser gemacht. Es liegt beim Kunden im Ordner und beruhigt das Gewissen. Was Websites wirklich voranbringt: eine fokussierte Stunde mit klarer Checkliste, priorisierten Findings und drei konkreten nächsten Schritten. Genau diese Stunde bekommst du hier, Minute für Minute durchgetaktet, mit kostenlosen Tools und mit Benchmarks, an denen du jede Kundenwebsite messen kannst.
Was dieses Audit leistet und was nicht
Diese Checkliste ist die Praxisrunde für Bestandswebsites lokaler Unternehmen: schnell wiederholbar, ohne Spezial-Software, mit klarem Ergebnis. Sie ersetzt kein Logfile-Audit für einen Shop mit 50.000 URLs und keine Content-Strategie. Sie beantwortet die Frage, die am Anfang fast jedes Kundenprojekts steht: Wo verliert diese Website gerade Sichtbarkeit, und was davon lässt sich mit vertretbarem Aufwand beheben? Alles, was du brauchst: einen Browser, PageSpeed Insights, nach Möglichkeit Zugriff auf die Google Search Console und ein leeres Dokument für deine Findings.
| Phase | Zeit | Werkzeug | Ergebnis |
|---|---|---|---|
| Indexierung und Crawling | 0 bis 10 Min. | site:-Abfrage, Search Console, robots.txt | Indexierungs-Blocker |
| Core Web Vitals | 10 bis 25 Min. | PageSpeed Insights (Felddaten) | Speed-Prioritäten |
| Onpage-Hygiene | 25 bis 40 Min. | Quelltext, Browser-Plugin | Title-, Description-, Canonical-Fixes |
| Mobile und HTTPS | 40 bis 50 Min. | DevTools, manuelle Checks | Mobile- und Sicherheits-Findings |
| Local und Priorisierung | 50 bis 60 Min. | Google Business Profil, Doku | 1-Pager mit drei Maßnahmen |
Minute 0 bis 10: Indexierung und Crawling
Starte mit der Frage aller Fragen: Ist die Website überhaupt vollständig im Index? Die site:-Abfrage bei Google zeigt in Sekunden, ob ungefähr so viele Seiten indexiert sind wie erwartet. Danach in die Search Console: Der Indexierungsbericht listet, welche Seiten Google kennt, aber nicht indexiert, und nennt den Grund gleich mit.
Dann drei technische Handgriffe. Erstens die robots.txt aufrufen und wirklich lesen: Blockiert sie CSS, Uploads oder gleich ganze Verzeichnisse? Zweitens die XML-Sitemap prüfen: existiert sie, ist sie eingereicht, enthält sie nur indexierbare URLs? Drittens im Quelltext der wichtigsten Seiten nach noindex suchen. Gerade dieser letzte Griff findet erstaunlich oft Reste vom Staging: Die Website ging live, das noindex blieb. Und falls du denkst, solche Basics könne man voraussetzen: Im Web Almanac 2025 von HTTP Archive lieferten nur 85 Prozent der Websites ihre robots.txt sauber mit Status 200 aus, 13 Prozent antworteten schlicht mit 404.
Minute 10 bis 25: Core Web Vitals mit Felddaten
Öffne PageSpeed Insights und schau zuerst auf den oberen Block, die Felddaten aus dem Chrome UX Report. Das sind echte Nutzermessungen der letzten 28 Tage, und genau daran bemisst Google die Core Web Vitals. Der Labor-Score darunter ist nur Diagnosewerkzeug. Die Grenzwerte, an denen du misst: LCP bis 2,5 Sekunden, INP bis 200 Millisekunden, CLS bis 0,1, jeweils am 75. Perzentil der Nutzer.
Notiere pro Metrik nur zwei Dinge: bestanden oder nicht, und die größte Baustelle aus der Labor-Diagnose, etwa ein zu großes Hero-Bild, render-blockierendes CSS oder Third-Party-Skripte. Mehr Zeit brauchst du hier nicht, denn du priorisierst, du optimierst noch nicht. Zur Einordnung: Nur 48 Prozent aller Websites bestehen mobil alle drei Core Web Vitals, auf dem Desktop sind es 56 Prozent (Web Almanac 2025). Besteht die Website deines Kunden, ist das ein Verkaufsargument. Besteht sie nicht, ist es ein Auftrag.
Minute 25 bis 40: Onpage-Hygiene
Jetzt die Klassiker, im Quelltext oder mit einem kostenlosen Browser-Plugin. Title-Tags existieren fast überall (98,6 Prozent aller Seiten laut Web Almanac 2025), die Frage ist ihre Qualität: einzigartig pro Seite, beschreibend, das Wichtigste vorn? Meta-Descriptions fehlen dagegen auf rund einem Drittel aller Seiten. Hier liegt eine reale Chance, im Suchergebnis besser zu wirken als der lokale Wettbewerb, der dieses Drittel stellt. Canonical-Tags setzen nur gut zwei Drittel aller Seiten (68 Prozent im Desktop-Crawl): Prüfe, ob das Canonical auf die Seite selbst zeigt und ob www- und Slash-Varianten sauber zusammengeführt sind.
Dazu ein Blick auf die Überschriften-Struktur (eine H1, logische Hierarchie) und auf die interne Verlinkung: Erreichst du jede wichtige Seite in maximal drei Klicks von der Startseite? Zur Orientierung: Der Median liegt laut Web Almanac bei 43 internen Links pro Seite. Entscheidend ist aber nicht die Menge, sondern ob die Geldseiten des Kunden, also Leistungen und Kontakt, prominent verlinkt sind.
Minute 40 bis 50: Mobile, HTTPS und Aufräumarbeiten
Wechsle in den responsiven Modus der DevTools: Stimmt der Viewport-Meta-Tag, sind Buttons und Links auf dem Handy gut treffbar, gibt es horizontales Scrollen? Google indexiert mobil-first, bewertet also die mobile Version der Seite, nicht die Desktop-Ansicht, die dein Kunde im Büro sieht. Danach HTTPS: Alle vier Varianten der Domain (mit und ohne www, mit und ohne https) müssen per 301 auf genau eine Ziel-URL laufen, und die Browser-Konsole sollte keine Mixed-Content-Warnungen zeigen. Zum Abschluss ein 404-Check der wichtigsten Alt-URLs, falls die Website schon einmal umgezogen ist: Jeder tote Verweis verschenkt Rankings und nervt Besucher.
Zwei Sonderfälle, wenn die Zeit reicht: Bedient die Website mehrere Länder, wirf einen Blick auf hreflang. Bei DACH-Projekten mit Varianten für Deutschland, Österreich und die Schweiz ist die fehlende gegenseitige Verlinkung der Sprachversionen ein Klassiker unter den Fehlerquellen. Und prüfe im Quelltext, ob strukturierte Daten vorhanden sind: Für lokale Unternehmen ist ein sauberes LocalBusiness-Markup wenig Aufwand mit sichtbarem Effekt im Suchergebnis.
Minute 50 bis 60: Local-Check und der 1-Pager
Für lokale Kunden entscheidet selten die Website allein. Stimmen Name, Adresse und Telefonnummer überall überein? Ist das Google Business Profil verknüpft, kategorisiert und gepflegt? Die Details sprengen diese Stunde, der Einstieg dazu steht im Leitfaden zu Local SEO. Die letzten Minuten gehören der Dokumentation, und hier entscheidet sich der Verkaufserfolg: Schreibe einen einzigen 1-Pager mit drei Blöcken. Kritisch (blockiert Indexierung oder Nutzer), wichtig (kostet messbar Sichtbarkeit), später (Kür). Jeder Punkt bekommt eine Aufwandsschätzung in Stunden.
Ein Audit verkauft sich nicht über die Länge des PDFs, sondern über die Klarheit der nächsten drei Schritte.
Vom Audit zum Auftrag
Produktisiere die Stunde. Ein Festpreis-Audit mit definiertem Ergebnis (1-Pager plus 30 Minuten Besprechung) ist für Kunden greifbarer als „SEO-Beratung nach Aufwand“ und für dich planbar. Kalkuliere es als Türöffner, der sich gerade so trägt: Den Rahmen dafür gibt dein realistischer Stundensatz vor, den du mit dem Stundensatz-Rechner in fünf Minuten ermittelst. Das eigentliche Geschäft sind die Maßnahmen aus dem 1-Pager und die laufende Betreuung danach. Nenne im Angebot außerdem explizit, was das Audit nicht enthält: Umsetzung, Texte, Linkaufbau. Diese Abgrenzung wirkt nicht kleinlich, sondern professionell, und sie macht das Folgeangebot zum logischen nächsten Schritt.
Und für die Akquise davor brauchst du nicht einmal die volle Stunde: Ein automatisierter Ersteindruck wie der Webdesign-Score zeigt dir vorab, welche Websites in deiner Region überhaupt Audit-Kandidaten sind. So investierst du die 60 Minuten nur dort, wo es etwas zu finden gibt.
Blick nach vorn fürs Kundengespräch: Erst gut 2 Prozent aller Websites stellen eine llms.txt für KI-Crawler bereit (Web Almanac 2025). Wer das Thema KI-Sichtbarkeit heute im Audit anspricht, ist früher dran als fast der gesamte Wettbewerb.
Das Wichtigste in Kürze
- 60 Minuten reichen für die 80/20-Diagnose einer typischen Unternehmenswebsite.
- Reihenfolge: erst Indexierung, dann Core Web Vitals, dann Onpage, dann Mobile und Local.
- Felddaten aus dem Chrome UX Report entscheiden über die Core Web Vitals, nicht der Labor-Score.
- Benchmarks: LCP 2,5 s, INP 200 ms, CLS 0,1; nur 48 Prozent bestehen mobil alle drei.
- Ergebnis ist ein 1-Pager mit drei priorisierten Maßnahmen inklusive Aufwandsschätzung.
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Häufige Fragen
Welche Tools brauche ich für das 60-Minuten-Audit?
Alles ist kostenlos: die site:-Abfrage bei Google, PageSpeed Insights für Feld- und Labordaten, die Browser-DevTools und idealerweise Zugriff auf die Google Search Console des Kunden. Ein Crawling-Tool ist erst nötig, wenn die Website deutlich mehr als ein paar hundert Seiten hat.
Was mache ich ohne Zugang zur Search Console?
Der Großteil der Checkliste funktioniert auch ohne: site:-Abfrage, robots.txt, PageSpeed Insights, Quelltext- und Mobile-Checks sind öffentlich. Mache die Einrichtung des Zugangs aber zur ersten Maßnahme auf deinem 1-Pager, ohne Search Console fliegt der Kunde blind.
Wie oft sollte ich das Audit wiederholen?
Bei Betreuungskunden hat sich ein Quartalsrhythmus bewährt, zusätzlich nach jedem größeren Update von Theme, Plugins oder Inhalten. Da die Checkliste nur eine Stunde kostet, kannst du sie als festen Bestandteil eines Wartungsvertrags kalkulieren.
Worin unterscheidet sich das von einem großen SEO-Audit?
Das 60-Minuten-Audit ist eine priorisierte Stichprobe: Es findet die Blocker und die größten Hebel, aber keine Vollständigkeit. Für Shops mit tausenden URLs, mehrsprachige Projekte oder Relaunch-Vorbereitungen brauchst du zusätzlich einen kompletten Crawl und eine Logfile-Analyse.