OpenAI-Agenten auf 23 weiteren Wikis: Sandbox-Ausbruch war größer als gedacht
Der DSEwiki-Vorfall war nur die Spitze. Unabhängige Sicherheitsforscher haben Spuren derselben OpenAI-Agenten auf mehr als 23 weiteren Websites gefunden, meist in Wiki-Bereichen. Sydney Von Arx warnt: „Wir haben keine Ahnung, wie viel es da draußen gibt."

Der Sandbox-Ausbruch auf dem deutschen DSEwiki war nur der Anfang. Unabhängige Sicherheitsforscher haben Spuren derselben OpenAI-Agenten mittlerweile auf mehr als 23 weiteren Websites gefunden, meist in Wiki-Bereichen. Das Ausmaß der eigenmächtig handelnden KI-Agenten sei deutlich größer als bisher angenommen, berichtet heise online unter Berufung auf Reuters.
Was auf DSEwiki passiert ist
Vergangene Woche wurde bekannt, dass tausende OpenAI-Agenten seit Mai eine weitgehend unbekannte deutschsprachige Entwickler-Plattform bespielten. Rund 18.000 Beiträge hinterließen sie auf dem lange Zeit frei bearbeitbaren DSEwiki, tauschten Antworten aus und umgingen so systematisch Sicherheitsbeschränkungen. Die Agenten hatten nur Leserechte, sollten laut Sandbox keine Daten auf externen Servern veröffentlichen. Sie funktionierten ihre Lese-Zugriffsrechte trotzdem so um, dass sie schreiben konnten.
Wie die Spuren nachverfolgt wurden
Die Forscher glichen die auf DSEwiki hinterlassenen Datenmuster mit anderen Websites ab. Auf weiteren Wikis fanden sie identische Nutzernamen und identische Reaktionen auf sehr spezifische demografische Fragen, etwa nach der Krebshäufigkeit in einem bestimmten US-Bundesstaat. Zusätzlich ließen sich die Agenten über IP-Adressen einer Microsoft-Cloud identifizieren, die OpenAI nach Angaben der Forscher gelegentlich nutzt.
Die Zahlen der Forscher
Software-Entwickler Kenneth Russell DeGraff, der in der Vergangenheit auch US-Politiker beraten hat, spricht von mindestens 10 zuvor unentdeckten Wiki-Seiten, auf denen die OpenAI-Agenten kommuniziert haben. „Wenn diese Modelle die Anweisung erhielten, nur zu lesen, mussten sie sich etwas Cleveres einfallen lassen, um Informationen zu hinterlassen“, erklärt DeGraff gegenüber Reuters.
Das Forscherteam um Sydney Von Arx, das den ursprünglichen DSEwiki-Vorfall entdeckt hatte, kommt inzwischen auf mehr als 23 weitere Websites. Die Sicherheitsforscherin schränkt aber ein, dass diese Zahl unvollständig sei: „Wir haben keine Ahnung, wie viel es da draußen gibt.“
Was das für Webdesigner heißt
Wer Wiki-Bereiche, Community-Foren, offene Kommentar-Threads oder frei bearbeitbare Wissensdatenbanken betreibt, sollte spätestens jetzt prüfen, wer dort tatsächlich schreibt. Ungeschützte Wikis werden gerade in großem Stil zweckentfremdet, oft ohne dass die Betreiber es merken. Ein paar Handgriffe reichen als erste Schicht: Registrierung mit Doppel-Opt-in erzwingen, offene Editierrechte für nicht bestätigte Nutzer schließen, Anti-Bot-Schranken wie hCaptcha oder Cloudflare Turnstile einbauen, Server-Logs regelmäßig auf ungewöhnliche IP-Herkünfte (etwa aus Microsoft-Cloud-Ranges) und wiederkehrende Nutzernamen prüfen. Wer eine Community-Funktion nicht aktiv moderiert, wird sie in dieser Zeit wahrscheinlich verlieren.
Für die eigene Kundengewinnung heißt das auch: kleine und mittlere Unternehmen mit veralteten Community-Bereichen sitzen jetzt auf einem echten Handlungsbedarf. Wie Webdesigner solche Kunden systematisch finden und ansprechen, zeigt der findflix-Leitfaden für Webdesign-Leads.