One.com Aida: Chat-Website-Baukasten greift die 30 Prozent veralteten KMU-Sites in Europa an
Der neue KI-Website-Builder Aida verspricht per Chat komplette Websites, Shops und Terminbuchung, gedacht für die 30 Prozent europäischer Kleinunternehmen mit veralteter Internetpräsenz. Die Preise starten bei 7,99 Euro netto, geprüft wird nichts von dem, was die KI schreibt.

One.com fordert die klassische Webdesign-Landschaft mit einem eigenen KI-Baukasten heraus. Aida, seit dem 29. Mai 2026 verfügbar, baut Websites per Chat und richtet sich ausdrücklich an die rund 30 Prozent europäischer Kleinunternehmen, die laut Herstellerangaben mit veralteten Internetauftritten unterwegs sind. Wer eine bestehende URL einwirft, bekommt in wenigen Minuten eine modernisierte Version, samt Shop, Terminbuchung und Mehrsprachigkeit. Was Aida beim Text nicht macht, ist ihn zu prüfen.
Wie Aida arbeitet
Der Weg zur Website führt durch ein Chat-Fenster. Anwender beschreiben ihr Geschäft oder werfen die alte URL rein, Aida generiert eine mehrseitige Site inklusive Struktur, Bildern und Texten. Änderungen laufen ebenfalls über den Chat, alternativ steht ein klassischer Editor bereit. Shop-Funktion und Terminbuchung lassen sich im selben Fluss aktivieren, dazu kommen SEO-Tools, Social-Media-Anbindung, SSL, DDoS-Schutz und europäisches Hosting bei group.one. Support gibt es in elf Sprachen.
Preislich startet der Zugang bei 7,99 Euro netto pro Monat und reicht bis 17,99 Euro netto, je nach Fokus auf Portfolio, Buchungen oder Onlineshop. Auf der heise-Produktseite wird ab 14,49 Euro monatlich brutto ausgewiesen. Vor dem Abschluss stehen 14 Tage Testphase bereit, ohne Kreditkarte. Jedes Paket enthält eine monatliche KI-Quote, die nicht in den Folgemonat übertragen wird.
Der Markt, den Aida angeht
Group.one, der Konzern hinter One.com, hat die Zielgruppe mit Zahlen abgesteckt. Europa zählt rund 32 Millionen Unternehmen, 99 Prozent davon sind Mikro- oder Kleinunternehmen. Etwa 30 Prozent haben eine veraltete Website. 78 Prozent nutzen Social Media, 74 Prozent pflegen ihre Kanäle noch manuell. Nur 11 Prozent haben ein CRM im Einsatz, weniger als 5 Prozent bieten Online-Buchung an. Chris Blaine, COO bei One.com, formuliert es zugespitzt: „An outdated site with no online booking, no shop, and poor search visibility is not a digital presence.“ CEO Daniel Hagemeier ergänzt: „Modernising a website has always meant cost, complexity, and risk. Aida removes all three.“
Wo der Baukasten seine Grenze hat
Ein Punkt steht im Kleingedruckten auf der heise-Produktseite: „KI-generierte Inhalte werden weder auf Genauigkeit noch auf Rechtskonformität geprüft.“ Wer Aida in Betrieb nimmt, bleibt selbst dafür verantwortlich, dass Preise, Öffnungszeiten, Impressum, Datenschutz und Werbeaussagen stimmen. Bei einem Fotografen mit erfundenen Referenzen oder einem Handwerker mit falschen Zertifikaten kann das in eine Abmahnung kippen. Aida ist ein Beschleuniger, kein Ersatz für die Qualitätskontrolle, die klassische Webdesigner täglich übernehmen.
Was noch kommt
Group.one hat für Sommer 2026 den Ausbau in Richtung Business-Suite angekündigt: CRM, E-Mail-Marketing und weitere KI-Agenten, die geschäftlich mitarbeiten sollen. Damit rückt Aida sichtbar an die Ökosysteme von Wix, Squarespace und Shopify heran, allerdings mit dem Verkaufsargument europäisches Hosting und lokale Sprachen. Für Kleinunternehmen, die bislang gar keine ordentliche Site hatten, ist die Hürde niedrig. Für Webdesigner ist es eine Ansage: Der DIY-Sockel steigt, das Auftragsvolumen im untersten Preissegment schrumpft weiter. Auftragskunden mit veralteten Websites lassen sich weiterhin gezielt identifizieren, statt zu warten, bis sie bei einem KI-Baukasten landen.
Das Fazit
Aida ist kein disruptiver Bruch, sondern die europäische Antwort auf einen längst laufenden Trend: Chat-Baukästen werden für Kleinunternehmen zur Standardoption. Preise unter 20 Euro und die integrierte Rundumausstattung machen den Einstieg leicht. Wer weiterhin professionelle Websites verkaufen will, verkauft nicht mehr die Struktur, sondern die Substanz drumherum: Konzeption, Content-Qualität, Rechtskonformität, Conversion und langfristige Betreuung. Das ist das Feld, auf dem KI-Chats absehbar nicht mithalten.
Quellen
- heise.de/download/product/aida-website-builder
- group.one/news/one-com-launches-aida-ai-website-builder-to-tackle-europe-s-outdated-small-business-website-problem
- one.com/en-us/about/news/new-aida-ai-website-builder/
- cybernews.com/web-hosting/one-com-review-currentyear-testing-the-new-aida-ai-website-builder/