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KI im Webdesign

KI-Design-Tools produzieren einen Einheits-Look: Inter, Lila-Gradient und immer dieselben Card-Grids

2. August 2026 · 3 Min. Lesezeit

Zwei Startup-Decks, von unterschiedlichen Gründern generiert, waren zuletzt nicht mehr auseinanderzuhalten. Designer und Studios warnen, dass Werkzeuge wie Claude Design das Web sichtbar uniform machen.

Isometrische Illustration: drei identische Browser-Fenster in Lime auf dunklem Hintergrund als Symbol für den KI-Design-Einheitslook

Der US-Wochenzeitung Northeast Times zufolge legten kürzlich zwei Startup-Gründer einer Designerin ihre Pitch-Decks vor, jeder unabhängig vom anderen erstellt. Die Decks sahen praktisch identisch aus: helle erste Seite, drei Bullet Points, vier Rechtecke für den Markt, in der Mitte der Text „our move“. Die Vermutung der Designerin: beide seien „von derselben Firma“ generiert worden. Waren sie nicht. Beide waren durch verschiedene KI-Design-Tools gelaufen.

Der Auslöser der Debatte ist die neue Generation an Assistenten für UI und Präsentationen. Claude Design, von Anthropic im April vorgestellt, gehört dazu. Vercel, Framer und Figma haben vergleichbare Bausteine im Angebot, dazu eine wachsende Zahl kleinerer Anbieter. Sie lassen jeden in Minuten professionell wirkende Websites, Dashboards und Pitch-Decks bauen. Der Preis dafür, so schreibt der Northeast Times, ist eine „schleichende visuelle Uniformität, die sich im Netz schneller ausbreitet als jede Template-Ära davor“.

Woran du den KI-Look erkennst

Das Studio 925 hat am selben Tag eine unabhängige Bestandsaufnahme veröffentlicht und listet fünf Merkmale, die in fast jedem KI-generierten Auftritt wiederkehren:

  • Inter als Standard-Schrift. Sauber, neutral, in nahezu jedem KI-Design-Tool voreingestellt.
  • Farbverlauf Violett zu Blau. In Hero-Sections und Buttons die sicherste Wahl der Modelle.
  • Austauschbare Überschriften. „Build the future of work“ oder „Your all-in-one platform“ tauchen als Default in Dutzenden Entwürfen auf.
  • Stock-Fotos und generische 3D-Formen. Die Gruppe um den Laptop, dazwischen abstrakte, schwebende Blobs.
  • Gleiches Padding, gleicher Border-Radius, gleiche Kartenhöhen. 925 nennt 16 Pixel Radius als Quasi-Standard.

Auch der Autor Ketan Khamgaonkar hatte im April vor demselben Muster gewarnt. Er beobachtet, dass KI-Vorschläge zusätzlich zu ablenkenden Meteor-Animationen, Scroll-Jacking und Hover-only-Informationen neigen, die auf mobilen Geräten still zusammenbrechen.

Warum es dazu kommt

Große Sprach- und Bildmodelle lernen aus dem, was existiert. Ihre Trainingsdaten spiegeln die letzten drei bis vier Jahre Web-Ästhetik, dominiert von SaaS-Landing-Pages im Vercel-Look, Framer-Templates und Bootstrap-Nachfahren. Ein Modell, das ohne feste Vorgabe eine Hero-Section vorschlägt, schöpft aus dieser schmalen Suppe. Ohne bewussten Bruch fallen die Ergebnisse in ihrer Mitte zusammen.

Erste Studios halten dagegen. Der Trend zu bewusst rauer, handwerklich anmutender Gestaltung wurde bei der Figma Config 2026 als Antwort auf genau diese Uniformität diskutiert: KI liefert die Textur, aber die Handschrift kommt zurück von Menschen.

Was für Webdesigner zählt

Der praktische Effekt ist zweiseitig. Für Kunden, die schnell eine „ordentliche“ Seite wollen, sinkt die Einstiegshürde weiter. Für Studios, die mit Individualität und Marke verkaufen, wird der Kontrast schärfer: eine Site, die nicht wie fünfzig andere aussieht, ist auf einmal wieder ein eigenständiges Verkaufsargument. Die Frage ist also weniger, ob KI im Prozess landet, sondern an welcher Stelle die eigene Handschrift wieder eingesetzt wird, damit das Ergebnis nicht in der Purple-Gradient-Suppe verschwindet.

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Das Fazit

Die Debatte hat einen Namen bekommen: der KI-Design-Look. Die Werkzeuge werden nicht verschwinden, sie werden im Gegenteil schneller besser und billiger. Was verschwindet, ist die Ausrede, alles sehe „modern“ aus, wenn es sich zunehmend nur noch gleich anfühlt. Wer Designqualität verkauft, hat 2026 wieder ein sichtbares Alleinstellungsmerkmal, das er zeigen kann. Wer nur Templates zusammenklickt, konkurriert ab jetzt mit einem Chatbot.