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KI im Webdesign

Figma Config 2026: Wie das Brand-Team KI-Texturen mit bewusst rauer Handschrift kombiniert

31. Juli 2026 · 3 Min. Lesezeit

Figma hat am 27. Juli ein Making-of veröffentlicht, wie die Visual Identity der Konferenz entstanden ist. Der Ansatz: KI-generierte Texturen aus Figma Make, kombiniert mit selbst gezeichneten Glyphen und einer bewusst unperfekten Handschrift, als Antwort auf die Frage, wie Design mit KI-Werkzeugen noch menschlich wirkt.

Isometrisches dunkles Design-Panel mit expressiven Glyphen in Lime, umgeben von skizzierten Linien und Partikel-Texturen

Figmas Brand Studio hat am 27. Juli einen ausführlichen Making-of-Beitrag zur Visual Identity der Konferenz Config 2026 veröffentlicht, die vom 23. bis 25. Juni im Moscone Center in San Francisco lief. Der zentrale Gedanke des Teams: die Möglichkeiten aktueller KI-Werkzeuge zeigen, ohne dass das Ergebnis glatt oder maschinell wirkt.

Autor Matt Alagiah beschreibt, wie das Team um Creative Lead Chelsea White ein System aus drei Bausteinen aufgebaut hat: expressive Glyphen als grafische Marken, drei per KI erzeugte Textur-Familien und strukturierte Kompositionen, die vom Highway-Billboard bis zum kleinsten Swag-Detail funktionieren.

Die drei Leitprinzipien

Die Identität steht auf drei Werten, die das Team offen benennt:

  • Evolution: Ideen werden geremixt, neu interpretiert und weitergedacht, bis etwas Neues entsteht.
  • Fluidity: Die Arbeit lässt sich an jedem Punkt aufgreifen, der Wechsel zwischen Design und Code ist fließend.
  • Harmony: Generative Werkzeuge werden genutzt, ohne die menschliche Perspektive zu verlieren.

Wie KI und Handschrift zusammenspielen

Die drei zentralen Texturen (skizzierte Linien, weiche Farbverläufe und pointillistische Partikel) hat das Team in Figma Make gebaut, dem KI-Werkzeug für generative Effekte. Chelsea White fasst den Effekt so zusammen: „Das Ergebnis wirkt eigenwillig und wonky, aber gleichzeitig programmatisch und klar digital.“

Brand Designer Maria Chimishkyan ergänzt den Anspruch, der dahinter steht: „In einer Zeit, in der Werkzeuge immer mehr automatisieren und perfekte Bilder erzeugen, wollten wir kleine Unvollkommenheiten würdigen.“ Deanna Sperrazza beschreibt die Textur mit den Partikeln als „pointillistisch im kleinen Maßstab, das bringt eine menschliche Note in etwas, das digital codiert wirkt“.

Auch die Bewegung folgt dieser Logik. Motion Designer Ben Hill sagt, das Team habe alles „lockerer, collagenhafter und expressiver“ zugelassen, damit Grafik und Animation sich gegenseitig prägen. Die Animationen entstanden gemeinsam mit dem Motion-Studio Relay.

Die physischen Installationen als Testfall

Rund um die Bühne standen Installationen, die Besucher aktiv einbezogen. „Shared Frequency“ verwandelte Berührung und Druck an Kiosken über Figma Make in einmalige Drucke. Auf dem „Play Canvas“ zeichneten Teilnehmer mit übergroßen Figma-Draw-Werkzeugen an einem gemeinsamen Mural. Ein „Collage Remixer“ mit Reglern und Knöpfen ließ Glyphen und Texturen live neu kombinieren. Dazu kamen eine Pantone-Lounge mit physischen Farbmustern und die analogen „Particle Pins“.

Zum Merch gehörten unter anderem eine Flexi-Disc mit Ambient-Musik, ein aufziehbares Musikbox-Keychain und ein digitales Poster-Kit, das Figma als endliches Set an Grafiken in die Community stellt: aus wenigen Elementen entstehen so beliebig viele Arrangements.

Warum das für Webdesignerinnen und Webdesigner interessant ist

Der Beitrag ist mehr als Selbstinszenierung. Er dokumentiert, wie ein professionelles Brand-Team KI-Werkzeuge in einen produktiven Workflow einbaut, ohne dabei die eigene visuelle Handschrift aufzugeben. Drei Beobachtungen sind für die Praxis in Agenturen und Studios relevant:

  • Systeme statt Einzelbilder. Figma verlässt sich nicht auf einzelne, perfekte KI-Renderings, sondern auf eine begrenzte Menge an Bausteinen (Glyphen, Texturen, Farben), die immer wieder anders kombinierbar sind. Genau dieser Systemgedanke fehlt in vielen Kundenprojekten, bei denen KI-Bilder isoliert eingesetzt werden.
  • Roughness ist eine Design-Entscheidung. Die bewusste Unperfektheit ist kein Zufall, sondern kalibriert. Für Kundenwebsites heißt das: Wer KI-generierte Bildwelten einsetzt, sollte sich ähnlich klar positionieren (glatt, roh oder handgemacht), statt den Default zu akzeptieren.
  • KI ergänzt Kernwerkzeuge, sie ersetzt sie nicht. Figma Make erzeugt die Texturen, Figma Draw und Motion tragen die Handschrift. Diese Rollenverteilung ist übertragbar auf jeden Design-Stack: KI liefert Variationen, das etablierte Werkzeug behält die Kontrolle über Struktur und System.

Das Fazit

Figma zeigt mit Config 2026 eine der derzeit reifsten Antworten auf die Frage, wie große Marken KI in ihren Design-Prozess integrieren, ohne austauschbar zu wirken. Für Studios und Agenturen ist der Beitrag ein konkretes Beispiel, das sich in Pitches und Portfolio-Argumentationen zitieren lässt: KI ist kein Bilderautomat, sondern ein Baustein in einem klaren visuellen System.

Wer dieses Denken bei Kunden platzieren möchte, braucht die passenden Gespräche. Auf der Übersicht zu Webdesign-Leads zeigen wir, wie sich lokale Unternehmen mit veralteten Websites systematisch identifizieren und mit einem klaren Design-Argument ansprechen lassen.