Canva Code 2.0: KI-Site-Baukasten geht auf alle 265 Millionen Konten, auch Free
Canva hat am 14. Juli die zweite Version seines KI-Site-Baukastens Canva Code freigegeben. Neu sind visuelles Nachbearbeiten wie in einem Canva-Design, HTML-Import aus anderen KI-Tools und Echtzeit-Zusammenarbeit. Das Werkzeug ist ab sofort in jedem Tarif enthalten, auch im kostenlosen.

Canva hat am 14. Juli 2026 Canva Code 2.0 ausgerollt. Der KI-Site-Baukasten baut Webseiten und Web-Apps aus einer Beschreibung im Chat und stellt sie danach als klickbare Layouts in die vertraute Canva-Oberfläche. Die Version 1 war Anfang des Jahres nur im Pro-Tarif verfügbar. Version 2 ist laut Canva jetzt in allen Tarifen freigeschaltet, inklusive der kostenlosen Konten. Canva beziffert seine aktive Nutzerbasis auf 265 Millionen pro Monat.
Was Canva Code 2.0 neu kann
Bisher war die KI-Ausgabe in Canva Code ein fertiger Codeblock: wollte jemand die Überschrift oder eine Farbe ändern, ging das nur über einen neuen Prompt oder direkt am Quelltext. In Version 2 lässt sich das generierte Ergebnis wie eine Canva-Präsentation anfassen. Nutzer klicken in ein Element, tauschen Text, ziehen Bilder aus der Canva-Bibliothek hinein oder passen Farben und Schriften über die vertraute Toolbar an. Zusätzlich erlaubt Canva Code 2.0, HTML aus anderen KI-Werkzeugen zu importieren und dort weiter zu bearbeiten, außerdem können mehrere Personen gleichzeitig am selben Site-Projekt arbeiten.
Canva selbst nennt drei Kennzahlen zu Version 2, die sich auf interne Messungen beziehen: die reine Code-Generierung sei um 75 Prozent schneller geworden, die mittlere Zeit vom Prompt bis zur veröffentlichten Seite verkürze sich um 30 Prozent, und die Zahl der aktiven Code-Nutzer sei um 25 Prozent gestiegen. Unabhängig verifiziert sind diese Werte bislang nicht.
Was das für Webdesigner heißt
Für Agenturen und selbstständige Webdesigner ist der interessante Punkt weniger die Geschwindigkeit als die Zielgruppe. Der bisherige Kundenkreis für einen einfachen Onepager, meist lokale Dienstleister, Vereine, Selbstständige, hatte in den letzten zwei Jahren bereits Zugriff auf Framer, Wix Studio, Squarespace-KI und diverse Vibe-Coding-Tools. Canva verschiebt den Einstieg noch weiter nach unten: das Werkzeug liegt in einer Oberfläche, die viele dieser Kunden ohnehin schon für Social-Media-Grafiken oder Präsentationen nutzen. Der Weg vom Canva-Konto zur eigenen Website ist damit ein Klick, keine Recherche.
Für die Positionierung im Neugeschäft bedeutet das zwei Dinge. Erstens: Werbeversprechen wie „wir bauen euch schnell eine Website“ werden weiter entwertet, denn genau das machen die KI-Baukästen mittlerweile in unter einer Stunde. Zweitens gewinnt an Bedeutung, was diese Werkzeuge weiterhin nicht liefern: konsistente Marken- und Designsysteme über mehrere Seiten hinweg, Content-Struktur mit echter SEO-Substanz, saubere Performance und Barrierefreiheit, Anbindung an bestehende Systeme wie CRM oder Shop. Die einfachen Aufträge verschwinden nicht komplett, sie wandern aber in die Selbstbedienung. Wer weiter mit Webdesign Geld verdienen will, verkauft nicht mehr die Umsetzung, sondern das Ergebnis: Sichtbarkeit, Leads, Verkaufsfähigkeit.
Praktisch heißt das, das eigene Neugeschäft muss auf Kunden ausgerichtet sein, die diesen Sprung nicht selbst machen wollen oder können: gewachsene Unternehmen mit einer Bestandsseite, die aussieht wie 2015, oder lokale Betriebe, die zwar ein Canva-Konto haben, aber kein Interesse daran, sich zwei Tage in einen Site-Builder zu setzen. Diese Kunden zu finden, gezielt und mit Argumenten, ist der bleibende Hebel.