Zum Inhalt springen
findflix live•7 Tage Pro gratis testen•Keine Kreditkarte nötig
Neues Projekt gesucht?Los geht's
Page Builder & Tools

Automattic-Vorstand beurlaubt Matt Mullenweg: WordPress-Mitgründer verliert CEO-Rolle, CFO Mark Davies übernimmt

11. September 2026 · 3 Min. Lesezeit

Am 9. September 2026 hat der Vorstand von Automattic den Mitgründer und CEO Matt Mullenweg gegen dessen ausdrücklichen Willen in eine bezahlte Beurlaubung geschickt. Interimschef ist der bisherige Finanzvorstand Mark Davies, damit steht die Führung des größten CMS im offenen Web erstmals seit Jahren zur Debatte.

Isometrisches WordPress-W-Emblem in Lime über einem leeren Chefsessel am Vorstandstisch, Symbolbild zur Beurlaubung von Matt Mullenweg

San Francisco, 10. September 2026. Am gestrigen Abend hat der Vorstand von Automattic den Mitgründer und CEO Matt Mullenweg gegen dessen ausdrücklichen Willen in eine bezahlte Beurlaubung geschickt. Interimschef ist der bisherige Finanzvorstand Mark Davies. Für WordPress, das nach eigenen Angaben rund 43 Prozent aller Websites weltweit antreibt, steht damit erstmals seit der Firmengründung 2005 die Führung des Konzerns hinter dem CMS zur Debatte.

Was gestern passiert ist

Laut übereinstimmenden Berichten von TechCrunch und 404 Media haben die Vorstandsmitglieder Ann Dunwoody, Toni Schneider, Sue Decker und CFO Mark Davies für die Beurlaubung gestimmt. Mullenweg selbst stimmte dagegen. In einem internen Slack-Kanal schreibt er, er habe die Beschlussvorlage 50 Minuten vor Sitzungsbeginn erhalten und wiederholt darum gebeten, den Text von einem unabhängigen Anwalt prüfen zu lassen, „auch nur wenige Stunden“. Der Vorstand habe das abgelehnt.

In einer öffentlichen Stellungnahme schreibt Automattic: „Matt Mullenweg befindet sich derzeit in einer Auszeit von Automattic. Mark Davies, Automattics CFO, wird das Unternehmen als Interim-CEO führen.“ Vorstandsmitglied Toni Schneider ergänzt, man habe Davies gebeten, die Rolle zu übernehmen, solange Matt weg sei. Davies selbst: „Ich brauche etwas Zeit, um mich einzuarbeiten, aber wir gehen transparent voran.“

Mullenweg bleibt Vorstandsmitglied. Die Beurlaubung ist bezahlt, ein Enddatum wurde bisher nicht genannt.

Hintergrund: WP Engine, Alignment Offer, zwei Jahre offene Rechnungen

Der Machtkampf ist die Zuspitzung eines Konflikts, der seit rund zwei Jahren die WordPress-Community beschäftigt. Im Oktober 2024 verklagte der Hoster WP Engine Automattic und Mullenweg. Vorwurf: Nötigung, Rufschädigung und Missbrauch der Marktmacht. Auslöser war Mullenwegs Forderung, WP Engine müsse acht Prozent seines Bruttoumsatzes als Lizenzgebühr für die WordPress-Marke abführen, weil das Unternehmen vom offenen Projekt profitiere, ohne genug beizutragen.

Im Februar 2026 legte WP Engine im Verfahren nach, Automattic habe ähnliche Royalty-Forderungen gegen zehn weitere Wettbewerber vorbereitet. In der laufenden Beweisaufnahme steht zudem der Vorwurf im Raum, Mullenweg habe interne Kommunikation unrechtmäßig gelöscht.

Parallel hatten 2024 rund 159 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das sogenannte Alignment Offer angenommen, eine Abfindung für alle, die den harten Kurs gegenüber WP Engine nicht mittragen wollten. Der Vorstand hat sich zu den konkreten Gründen für die Beurlaubung bislang nicht geäußert. In der Berichterstattung genannt werden der anhaltende Rechtsstreit, Personalabgänge und ein interner Vertrauensverlust.

Was das für Webdesignerinnen und Webdesigner bedeutet

Kurzfristig ändert sich am Werkzeug nichts. WordPress läuft, Plugins werden weiter ausgeliefert, das Ökosystem trägt sich selbst. Wer heute auf WordPress baut, muss nichts umbauen und keinen Notfallplan starten.

Zwei Punkte sind trotzdem wichtig. Erstens: Die Marke WordPress und die Firma Automattic sind rechtlich getrennt, die Marke gehört der WordPress Foundation, operativ ist der Konzern aber eng verzahnt. Wer Automattic-Produkte wie Jetpack, WooCommerce, WordPress.com oder Akismet in Kundenprojekten einsetzt, sollte die Entwicklung in den kommenden Wochen im Blick behalten und beobachten, ob sich Roadmap, Support oder Preismodelle unter dem Interimschef verschieben.

Zweitens: Der Konflikt mit WP Engine bleibt unabhängig von der Personalie offen. Kunden, deren Hosting bei WP Engine, Kinsta oder anderen von Automattic öffentlich kritisierten Anbietern liegt, sollten wissen, dass die Diskussion um Marken-Nutzung, Plugin-Zugang und wordpress.org-Konten damit nicht erledigt ist.

Wer seine Kundenprojekte trotz Plattform-Unsicherheiten planbar auf WordPress aufsetzen will, findet in unserem Leitfaden Webdesign-Leads finden, wie sich der Vertrieb rund um WordPress-Aufträge unabhängig von Konzernpolitik aufstellen lässt.

Das Fazit

Mullenweg wird das offene WordPress nicht aus der Hand geben, dafür ist er zu prägend, und er sitzt weiter im Vorstand. Aber Automattic bekommt für die kommenden Monate ein anderes Gesicht: einen Finanzvorstand als Interims-CEO, in Zeiten offener Prozesse und angespannter Community. Für die WordPress-Landschaft bedeutet das weniger Führungslärm, dafür mehr Fragen zur Richtung. Ruhig weiterbauen und Alternativen in Projekten sauber prüfen reicht in den kommenden Wochen aus.